Niemals geht man so ganz…

wenn man endgültig geht; wenigstens in den Gedanken der nächsten Angehörigen bleibt man noch im Gedächnis. So der Wunsch eines jeden analogen Menschen bisher.
Doch mit Nutzung des Internet hat sich die Sorge, spurlos zu verschwinden, inzwischen erübrigt.

Hatte man früher mit Erstellen eines Testaments, dem sog. Ordnen seiner Angelegenheiten, das für die Nachwelt nötige getan, so muss man sich heute nicht nur Gedanken über seinen realen Nachlass machen, sondern sich auch die Frage stellen, was mit dem digitalen Nachlass geschehen soll.
Angefangen mit den laufenden Mobilfunkverträgen für Smartphone, Tablet & Co., über den Vertrag bei seinem Homepage-Hoster, dem Bloghoster und den verschiedenen Mitgliedschaften in Online-Foren, legalen Tauschbörsen, Online-Abos und und und.
Was geschieht mit meinem Facebook und Twitteraccount? Wer löscht nach meinem Ableben meine Bilder auf Flickr, meine Mailadresse und Mitgliedschaften?

Nein nein, der Rabe ist noch nicht so alt, als dass er in Bälde abtreten möchte, aber es liegt ja nicht immer in unserer Hand, wann der letzte Meter geflattert ist. Ein stärkeres Hindernis auf dem Luftweg zur Bibliothek und schon kann auch ein junger Rabe plötzlich in anderen Himmeln weiterflattern. Gut, ganz so weit kam es dann doch nicht aber in den Monaten der Genesung war die Frage durchaus zu stellen „was wäre mit den digitalen Spuren geschehen, wenn…“

Als erstes frage ich mich, soll eigentlich etwas von mir im Netz bestehen bleiben? Und wenn ja,kann ich festlegen was?
Und wie begründe ich die Selektion gegenüber meinen Lesern? Schon im Voraus mit einem Label im Impressum „dieses Blog wird nach dem Ableben des Autors in selektierter Form bestehen bleiben“?
Und wenn ich zu dem Schluss komme, dass nichts bleiben soll, wie kann ich das regeln, wo es doch schon mit Einzelbildern fast unmöglich ist, diese komplett aus dem WWW zu entfernen.

Wo hinterlege ich meine Liste mit sämtlichen digitalen Informationen über mein digitales Leben und wen kann ich verpflichten, mein digitales Ich zu löschen? Einerseits soll diese Liste sicher aufebwahrt und für Dritte unzugänglich sein, andererseits soll ich regelmäßig sämtliche Passworte erneuern, schliesse neue Abo’s ab und melde mich bei Foren etc. an. Diese Änderungen müssen ja alle auf dieser Liste nachgeführt werden.

Und wenn ich dann so eine Liste habe, wo deponiere ich sie, dass sie nur dem in die Hände gelangt, den ich für die Bereinigung meines digitalen Lebens bestimmt habe? Habe ich die Liste analog bei mir im Haus und ein Einbrecher findet sie, dann habe ich wohl ein Problem, sollten sich darunter Daten für kostenpflichtige Dienste befinden. Und wie erkläre ich das gegenüber meiner Versicherung, falls tatsächlich daraus ein Schaden entsteht?

Wen überhaupt sollte ich mit dieser Aufgabe betrauen? Abgesehen von der technischen Affinität, die derjenige haben sollte; wem kann ich so vertrauen, dass er auch die geheimsten Seiten meines Lebens beseitigen darf? Nicht immer ist da der Lebenspartner oder die Kinder der Richtige. Abgesehen davon, dass sich die engsten Familienmitglieder nicht gerade in der Trauerzeit mit den Finessen der Beseitigung eines digitalen Lebens beschäftigen können.

Fragen, die man sich im normalen Leben kaum stellt, fällt doch der Gedanke an das Lebensende sowieso nicht leicht und die Regelung des (analogen)Nachlasses wird immer wieder hinausgeschoben.

Der Rabe ordnet leis und flügellahm,
mal kurz den digitalen Kram…

Eine Antwort zu “Niemals geht man so ganz…

  1. Lieber Bibliorabe,
    all diese Fragen haben wir uns auch gestellt und ein Dienstleistungsangebot entwickelt, das Angehörigen hilft, den digitalen Nachlass zu regeln. Zu welcher Lösung sind Sie gekommen?

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