Wir bauen uns ein Mediencafė

Heidelberg besteht ja nicht nur aus pittoresker Altstadt und Villenviertel mit Schloßblick. Nein es gibt auch aufstrebende Neuviertel auf ehemaligen Bahngelände oder Fabrikarealen.
Und es gibt Stadtteile, über die die Stadt überhaupt nicht erfreut ist, sogenannte Soziale Brennpunkte. Einer davon liegt ganz im Süden der Stadt oben auf dem Berg. Mit Blick über die Rheinebene eigentlich eine Traumlage, gäbe es da nicht die Bauweise: Massierte  Hochhaussiedlung mit Großwohnanlagen in farbenfrohem Eternit Braun und Dunkelgrün.
Zwar als wissenschaftliches Modell in den siebziger Jahren u.a. vom Soziologen Alexander Mitscherlich erschaffen, aber nicht konsequent zu Ende durchgeführt und dementsprechend gescheitert.
Nun 40 Jahre später besinnt sich die Stadt auf ihr Stiefkind am Rande und pumpt eine ganze Menge Geld und Manpower in den Emmertsgrund.
Marode Plätze und Foren werden saniert, der Bürgersaal erstrahlt seit Oktober in frischem Glanz und das zugehörige Bürgerhaus soll ab Januar wieder ein Mediencafé beherbergen.
Hatte sich die Stadtbücherei doch heimlich still und leise vor über einem Jahr aus dem Stadtteil verabschiedet – erst wegen Renovierung geschlossen und dann über die Presse mitgeteilt, dass sich eine Zweigstelle dort nicht mehr lohnen würde. So hatte die Stabü plötzlich keine Zweigstellen und wir keine Bibliothek mehr. Ersatz bietet jetzt der Bücherbus, der 2 Mal pro Woche dort oben Station macht; einmal an der einen Ecke, das andere Mal 1,5 km entfernt an der anderen Ecke des Stadtteils.

Dass das kein Zustand ist, war dann doch irgendwie allen Beteiligten klar und nun wird in Trägerschaft des Quartiermanagements ein Mediencafé aufgebaut und betrieben. Als Projekt für 2 Jahre und dann muss das Kind von allein laufen können.
Yeah, und ich als Bibliotheksrabe bin beratend ehrenamtlich dabei. Wow, was für ein Gefühl, so eine kleine Bibliothek mit aus der Taufe zu heben und ein paar der eigenen Vorstellungen mit einzubringen.
Das Mediencafé beherbergt nicht nur Bücher etc. nein es ist räumlich kombiniert mit einem Café, das im offenen Raum etwa 2 Meter höher liegt und somit die Möglichkeit bietet, dass Mütter zusammen dort oben etwas trinken und ihre Kinder im tiefer gelegenen Mediencafé in den Büchern schmökern können, Spiele ausprobieren und ausleihen können etc. Oder sie lesen in den Büchern zu verschiedenen Schulprojekten und machen ihre Hausaufgaben; ältere können die 4 zur Verfügung stehenden Laptops zm Schreiben ihrer Bewerbung benutzen und sie gleich vor Ort ausdrucken….

Man kann aber auch ganz einfach die belebte Atmosphäre eines Cafés mit der täglichen Zeitungslektüre verbinden; das nahe gelegene Seniorenstift und die benachbarte Grundschule bieten spannende Schnittstellen;-))

Wir versuchen erst einmal mit Openbiblio unseren Bestand zu verwalten; das ganze ist ja nicht groß, zum Anfang ca. 1000 Medieneinheiten.

Aber um die Lesemöbel beneide ich das Mediencafé jetzt schon; sooo was hätte ich gerne auch bei uns… aber wir sind ja wissenschaftliche Bibliothek und keine Wohlfühloase: Bei uns wird gelernt und nicht rumgelungert…..;-)))

Inzwischen bildet sich auch eine Annäherung an die Sadtbücherei heraus; sah sie uns doch zuerst als laienhafte Konkurrenz scheint sie sich nun doch eines Besseren zu besinnen und bietet uns eine lockere Zusammenarbeit und Unterstützung a; die wir gerne annehmen; denn natürlich ist es immer besser, wenn man auf einen erfahrenen Partner zurückgreifen kann.

So, muss noch ein paar Titellisten checken und noch ein paar Fragen wegen WLAN in Bibliotheken, Konfiguration der Ausleih-Laptops etc. klären; an dieser Stelle immer mal wieder mehr, wie es mit der Erschaffung unseres Mediencafés weitergeht.

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