Besuch vom Weihnachtstwichtel

Uiuiui, da war der kleine Rabe mal für ein paar Tage aus seinem Nest gen Süden geflattert, um für das bevorstehende Weihnachtsfest noch einmal die Federn gründlich im schwäbischen Meer zu baden und dann kohlrabenschwarzfeiertagsglänzend zurückzukehren.
Als er frisch und voller Tatendrang über die Schwelle flog sah er schon, dass er Besuch gehabt haben musste. Sein Schreibtisch, an dem er seine Tage im sorgsam zurechtgezupften Aktennest zu verbringen pflegte, bog sich unter der Last eines großen Pakets fast bis auf den Boden durch.

Aufgeregt flatterte der kleine Rabe umher; wie konnte es sein, dass er soooo ein großes Paket bekommen hatte? Er hatte doch gar nichts bestellt; keine Bücher, weil er immer noch etwas flügellahm war, die Geschenke für die Rabenfamilie lagen schon längst gut versteckt in den Ecken seines Schlafnestes….
Ratlos setzte er sich auf eine Ecke des höchsten Bücherstapels, der gerade neben seinem Nest aufragte und zupfte an seinen kohlrabenschwarzfeiertags-glänzenden Federn herum. Plötzlich kam ihm ein Gedanke, flatterte ihm sozusagen im Geist herum und verschwand wieder. Merkwürdigerweise hatte der Gedanke die Gestalt eines kleinen blauen adipösen Vogels….

Und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Da war er doch, vor langer langer Zeit, einmal in einer Voliere mit lauter blauen adipösen Vögelchen gewesen, die gezwitschert hatten, als ginge es um ihr Leben. Und da der kleine Rabe sehr kommunikativ war, hatte er eine Weile ganz intensiv mitgezwitschert.
So langsam dämmerte es ihm, er hatte damals einem süssen kleinen Zwitscherer, der sich aber merkwürdigerweise für eine @Giraffi hielt, seine Nestadresse ins Ohr gezwitschert. So wegen Weihnachten und so.

Sollte das in Wirklichkeit ein Weihnachtstwichtel gewesen sein?
Tatsächlich, das Paket duftete verdächtig nach weihnachtlichen Leckereien und so konnte der kleine Rabe nicht lange widerstehen und zupfte mal hier an einer Ecke, mal da am Paketband und schwups, plötzlich war eine Seite offen!
Na nu isses ja auch schon egal, dachte der kleine gierige Rabe und öffnete das Paket vollends. Und staunte mit offenem Schnabel, was ihm da alles so entgegenpurzelte.
Päckchen über Päckchen, ein jedes fein und liebevoll verpackt!
Plötzlich zuckte er zurück, blickten ihm doch vier Nachteulen entgegen; und als Rabe hat man einen gehörigen Respekt vor Eulen; sitzen sie doch meistens in den dunklen Regalen mit den schweren Wälzern über Philosophieoder den Sinn des Lebens und blicken stumm und wissend.

Aber nein, bei genauerem Hinsehen bemerkte er, dass diese vier hier bunt und liebevoll „Frohe Weihnachten“ wünschten und eine reizende Botschaft, was es mit all den Päckchen auf sich hatte, in ihren Schnäbeln trugen.
Da hatte der Weihnachtstwichtel aber gaaaanz tief in die verborgenen Abteilungen der kleinen Rabenwelt geblickt und nachgedacht, womit er eine Freude bereiten könnte.
Nicht nur einen originalen struwweligen Musikus, nein, auch orientalische Köstlichkeiten und als Gegenpart heimatliches Kunst- und Backhandwerk fanden sich in den Päckchen. Und Teesorten, von denen der kleine Rabe noch nie gehört hatte.

So konnte der Winter kommen, mit Lesestoff, Backwerk, einem kleinen Schneemann als Kameraden und einem heißen Tee, wenn der Wind mal wieder um das Bibliotheksnest brauste und ein kleiner Rabe sich besser nicht hinaus wagte.

Erschöpft vom vielen Auspacken, Freuen und Staunen über seinen lieben unbekannten Weihnachtswichtel hüpfte der kleine Rabe in sein Nest, steckte den Schnabel unter seine Flügel und träumte vom kleinen blauen Vogel Giraffi!

 

 

 

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