Sag zum Abschied leise Servus….

Als ich mich vor vielen Jahren entschloss, kein Jurabücherwurm mehr zu sein, sondern mich meiner geheimen Liebe, der Technik und Naturwissenschaft in Buchform zu widmen; ja da stand dann die Bibliothekswahl im Verbund meiner heimischen Mutterbibliothek zur Debatte. Gab es doch einige Bibliotheken auf dem Campus, die diese Fächer abdeckten.

Meine Mutter meinte damals im Scherz: „Na, dann schau mal, dass Du nicht bei den Geographen landest, da bist Du ja mehr als unbegabt“, womit sie nicht ganz Unrecht hatte. Bis heute hängt mir die Verwechslung von Siebengebirge, Riesengebirge und Siebenbürgen nach.

Nun, der Anruf der Direktion kam schneller als erwartet und wies mir meine neue Bibliothek zu: Die Institutsbibliothek des ……

Geographischen Instituts!

„Yeah, mal genau den Bock zum Gärtner gemacht!“ dachte ich, das kann ja heiter werden.

Wurde es auch, aber immerhin ich habe mich eingegroovt und inzwischen habe ich auch mehr Ahnung von Geographie, cooler Nebeneffekt. Doch Zeiten ändern sich, Projekte werden abgeschlossen, die Arbeit verlagert sich und so wurde das Personal in den letzten Jahren in die anderen Bibliotheken teilweise versetzt; so auch ich und im letzten Jahr stand dann endgültig fest: Die Bibliothek wird aufgelöst, die Räume umgewidmet und der Bestand teilweise in die Universitätsbibliothek überführt. Da diese genau im Nachbargebäude liegt ist die räumliche Veränderung ja nicht soooo groß.

So wurden Bestände markiert, Listen erzeugt, Bücher umgezogen, umsigniert und neu sortiert und die Benutzer, die unbedingt noch etwas von dem alten Bestand brauchten, an die zuständigen Dozenten des Instituts verwiesen; die sich von den Beständen noch einige eigene Handapparate aufgebaut hatten. Und in Notfällen hatte noch ein Mitarbeiter von uns einen Schlüssel und konnte in den Räumen der ehemaligen Bibliothek noch nach verschollenen Werken fahnden.

Doch nun ist diese Zeit vorbei, letzte Woche kam ein Aufkäufer von gebrauchten Büchern und nahm alles mit, was noch in den Räumen war; die Regale wurden auf einen Lastwagen verladen und die restlichen, von uns einst mit viel Liebe zum Detail beschrifteten Zeitschriftenauslageregale etc. landeten im Container. Theke, Schränke, auch unser Büro: alles leer und weggeräumt.

Nun ist sie also wirklich Geschichte, die Bibliothek des Geographischen Instituts!

 

2 Antworten zu “Sag zum Abschied leise Servus….

  1. Gerne lese ich solche Erfahrungsberichte. Natürlich verursachen sie auch Bauchschmerzen, denn wieviel Arbeit doch in das nun überflüssig gewordene Bibliotheksgut zuvor investiert wurde (Anschaffung, Standortwechsel, Reparatur, etc.) ist vielerorts nicht bekannt. Und dann heißt es eines Tages: weg damit.
    Für mich macht diese Tätigkeit einen Großteil meines Arbeitsalltags aus. Es ist auch erforderlich Bibliotheksbestände abzubauen, insbesondere wenn in ferner Zukunft ein Umzug in einen Neubau ansteht.

    Sie erwähnten einen „Aufkäufer“ der den Restbestand ihrer Bibliothek abgeholt hat. Ist es möglich, dass ich die Kontaktdaten dieses Unternehmens erfahren kann? Vielleicht lässt sich so noch einiges vor dem Container retten 🙂

    Schöne Grüße
    Norbert Gillmann

  2. Hallo Herr Gillmann:
    Der Aufkäufer ist: Bookfarm.de

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