Archiv der Kategorie: Politisches Gekrächze

Bibliotheks-Leitlinien, gibt es so etwas überhaupt?

Nachdem ich ja nun die letzten Monate in gesundheitlich orientierten Institutionen meine Zeit verbracht habe; fiel mir beim Besuch meines Bibliotheksnestes auf, dass keinerlei Zertifikate, keine Leitlinien, keine "unsere Ziele/unser Anspruch" im Eingangsbereich aushängen. Einzig und allein Auszüge aus der Benutzungsordnung waren am schwarzen Brett zu finden.
Abgesehen davon, dass der Eingangsbereich eigentlich keiner ist, da man entweder im Treppenhaus oder inmitten von Garderobenschränken steht,
hat jede Klinik, jede Rehaeinrichtung im Eingangsbereich und auch auf seiner Homepage Leitbilder, Leitlinien, Standards und Zertifizierungen.

Ich meine jetzt nicht die einzuhaltenden Normen bei der Katalogisierung, da ist ja durch das Anwenden des einen oder anderen Formats ein einheitlicher Standard gewährleistet, sondern ich frage mich, wie verstehen wir als Bibliothekare unseren Auftrag gegenüber den Benutzern. Was kann der Benutzer, wenn er unser Haus betritt, erwarten? Wie behandele ich den Benutzer, welche Serviceleistungen sind selbstverständlich, welche nur gegen Gebühr; sehe ich ihn – ungeachtet seiner (Aus-)bildung als immer gleich an, will sagen, behandele ich einen Studenten genauso zuvorkommend wie einen Professor oder den alten Rentner, der jeden Tag kommt und nicht immer so frisch riecht? Welche Werte lege ich meinem Handeln dem Benutzer gegenüber zu Grunde und gibt es da eine Einigkeit im gesamten Bibliothekssystem?

Bin ich bereit, aufgrund meiner Werte auch einmal nicht hauskonform einen Benutzer sofort mit Informationen zu versorgen, die laut Benutzungsordnung nicht oder nur gegen Gebühr und Wartezeiten zu bekommen wären? Und mit welchen Konsequenzen hätte ich zu rechnen?

Gibt es Qualitätsstandards, die zum Beispiel gewährleisten, dass in kleinen Institutsbibliotheken (jaja, so etwas soll es in unserer Bibliothekslandschaft durchaus noch geben) ein Mindestmaß an Service gewährleistet ist; unabhängig von der Größe und Personaldecke? Oder steht und fällt das mit der verantwortlichen bibliothekarischen Fachkraft; worauf sie ihren Fokus legt?

Also sozusagen eine Zertifizierung, die man dann an seine Eingangstür hängen kann und somit dokumentiert, dass die Bibliothek die und die Standards erfüllt. Mögen es meinetwegen ersteinmal nur technische sein, wie Bereitstellung von WLAN, Drucker, Scanner, ausreichend PC-Arbeitsplätze.
Oder vielleicht als “Schulungsbibliothek” mit einem zertifizierten Schulungsangebot für Studenten und Wissenschaftler.

Je länger ich hier in dieser erzwungenen Auszeit sitze, desto öfter hinterfrage ich meine Existenz als Bibliorabe, es wird Zeit, dass ich wieder offziell in mein Biblioheksnest flattern darf; denn sonst……. wer weiß!

Wissen muß geteilt werden!

Wissen muß geteilt werden! » Von Roman Hanhart » ubuntublog.ch.
Dieser Beitrag spricht mir einfach aus der Seele!
Aber bis diese Sichtweise bei den Verlagen angekommen und verinnerlicht sein wird, werden wohl noch ein paar Generationen von Studenten mit den Beschränkungen des elektronischen Publikationsgebarens der Verlage leben und lernen müssen….

Wenn man nicht will, dass der Nutzer es weiss, aber

man es veröffentlicht, damit der Nutzer es wissen könnte, wenn er es gefunden hätte!
So oder so ähnlich kommt mir die Webseitenpolitik mancher Bibliothek vor.

Da gibt es durchaus nützliche Informationen, zum Beispiel über Umbaumassnahmen, Schulungen etc., und dann werden sie so gut versteckt, dass der Nutzer sie entweder nur durch Zufall entdeckt oder sie sind so unübersichtlich, dass der Nutzer nach dem ersten Viertel der Seite entnervt aufgibt.

In beiden Fällen hat die Bibliothek dann das erreicht, was sie wollte: es steht im Netz, aber es liest ja keiner!
Seht her, der Nutzer hat kein Interesse an diesen Dingen, ergo werden wir sie in Zukunft auch nicht mehr veröffentlichen; so könnte die Argumentation dann etwa lauten, wenn es um einen Relaunch oder eine Umstrukturierung des Webangebots geht.

Sonntags in die Bücherei….

Gerade mal in der heutigen Frankfurter Rundschau geblättert und in dem „Rhein-Main“-Teil dieses gefunden:

Sonntags in die Bücherei

Pläne der Landesregierung stossen auf Widerstand / Zusätzliches Personla wäre nötig
Unsere Woche hat sechs Tage“, steht auf einem Schild im Fenster der Stadtteilbibliothek Sachsenhausen. Es könnte sein, dass die Zahl sechs demnächst durch eine Sieben ersetzt werden muss. Denn FDP und CDU wollen in der kommenden Woche einen Entwurf zur Änderung des Hessischen Feiertagsgesetzes in den Landtag einbringen – und der sieht vor, dass öffentliche Büchereien sowie Videotheken an Sonn- und Feiertagen von 13 Uhr an öffnen dürfen.“

Hier geht es zum Artikel in der FR-online

Das verwundert mich doch schon etwas; da möchte die Landesregierung auch für öffentliche Bibliotheken die Möglichkeit für eine Sonntagsöffnung schaffen, in dem das hessische Feiertagsgesetz entsprechend geändert werden soll… und dann wollen die Bibliotheken nicht.
Was bei wissenschaftlichen Bibliotheken schon Gang und Gäbe ist, ja es als Manko gilt, wenn man sonntags nicht öffnet, das scheint bei den öffentlichen Bibliotheken ganz normal zu sein.

Wo bleibt da der Servicegedanke? Hat ein Berufstätiger denn nicht auch das Recht, sontags seinem Informationsbedürfnis nachzugehen? Und warum denn nicht neues Personal einstellen?

In den heutigen Zeiten doch ein positives Signal!
Es wundert sich der Vogel Rabe,

ob solchen wunderlich Gehabe!

Manch einer fürchtet die neuen Medien

nur Kopfschütteln rief dieser Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung bei mir hervor.

Da will die Stadt Eppelheim bei Heidelberg Druckkosten einsparen, indem sie jedem Stadtrat ein Laptop zur Verfügung stellen will, auf den dann die aktuellen Unterlagen, Sitzungsberichte etc. aufgespielt werden können und die Mehrheit des Statrats lehnt das ab.
„Nicht jeder könne damit umgehen“, war eines der Argumente, „wenn der Provider ausfällt, wären keine Unterlagen verfügbar“ ein anderes.

Entnervt gab der Antragsteller auf, die Kostenersparnis ist futscht und in Eppelheim werden munter weiter Papierberge produziert.
Wenn also ein Stadtrat noch Angst vor dem Einsatz in den eigenen Reihen von Laptops hat, dann frage ich mich, wie er dann über die Anschaffung von neune Geräten und Bereitstellung von neuen Medien in der Gemeindebücherei entscheiden will; ganz zu schweigen von den Bedürfnissen der örtlichen Schulen….

Wir katalogisieren alles….

vom Sonderdruck bis Hundeohr!
So oder so ähnlich hat es einer meiner Professoren an der Hochschule in Stuttgart einmal ausgedrückt.
Und warum eigentlich nicht? Worin liegt denn schon so gross der Unterschied im Katalogisieren eines Buches zum Katalogisieren von medizinischen Präparaten, Gesteinsproben oder gepressten Pflanzen?
Lediglich die Nomenklatur und die Systematiken sind dem jeweiligen Fachgebiet angepasst, aber das Verfahren ist immer identisch: genaue Betitelung, Herkunft, Alter, Umfang/Grösse, vielleicht sogar mit Bild etc.

Warum sollte es also nicht möglich sein, auf einem Campus mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung ein großes – meinetwegen Museum – genanntes Gebäude zentral zu bauen, worin der Student die für sein Fachgebiet relevante Literatur, aber eben auch Präparate, Proben etc. findet? Vorausgesetzt der Bauplatz und die nötigen finanziellen Mittel sind vorhanden, wäre das doch die Lösung gegenüber der einzelnen Institutssammlungen und -bibliotheken.
So nach dem Vorbild eines  – jetzt etwas hoch gegriffen – British Museum.
Nur Tagträume? Laut gut unterrichteten Kreisen soll bald ein gemeinsames „Museum“ von verschiedenen naturwissenschaftlichen Instituten der Universität entstehen, finanziert von einem Sponsor.
Doch warum kleckern, wenn man klotzen könnte? Den entscheidenden Schritt weiter, oder anders ausgedrückt den Blick über den Tellerrand hat man leider mal wieder nicht gewagt. Was wäre das gewesen, wenn vermeldet worden wäre:
Universität Heidelberg baut ein zweites British Museum! Literatur und Wissenschaft vereint unter einem Dach! Neue Lernlandschaft für Studierende und Forscher!

Aber leider doch nur Tagträume!

Es existieren immer noch Sammlungen, die im Verborgenen so dahinvegetieren oder so nebenbei von einem Hiwi mitgeschleppt werden, aber eigentlich in keiner Weise mehr benutzbar sind. Einmal ans Licht gebracht und aufbereitet offenbaren sie aber vielleicht doch Überraschungen und lang verborgene Schätze.
Und vielleicht liessen sich dann auch so Pannen vermeiden wie weiland in einem anatomischen Institut, das uns jahrelang ein Skelett gezeigt hat von einem Räuberhauptmann, der gar keiner war. Nur weil das Inventarbuch seit 100 Jahren nicht mehr richtig geführt worden war.

Nur der BIX zählt…

anscheinend noch in der Bibliothekswelt.
Wenn ich mich so Bibliothekswelt umschaue und höre, dann bekomme ich doch etwas den Eindruck, dass solche Projekte, die in zählbare Statistikzahlen münden, eher umgesetzt und in der Planung bevorzugt werden, als solche, die „nur“ der Kundenzufriedenheit dienen.
Ein kleines Beispiel zur Illustration: Im Moment wird retrokatalogisiert, was nicht bei 3 auf den Regalbrettern steht, um das Zitat mal etwas anzupassen; jeder noch so spezielle Altbestand wird mit großem Aufwand in den Opac gebracht – das gibt einen satten Zuwachs in der Statistik; egal, ob dieser Bestand genutzt wird oder nicht.
Dass aber die Aufstellung der Literatur im Lesesaal von einer veralteten Systematik auf eine neuere – zum Beispiel die RVK, die schon in verschiedensten dezentralen Bibliotheken eingeführt worden ist – benutzerfreundliche Systematik umgestellt werden müsste, das wird als nicht so wichtig erachtet; klar, es bringt ja auch keinerlei Niederschlag in der Statistik!
Dass sich aber auf längere Sicht der „Wohlfühlfaktor“ des Lesesaals erhöht, die Nutzungs- und Verweildauer in der Bibliothek ansteigt und dadurch auch das Image der Bibliothek steigt; auch wenn das nicht mit einer Statistik messbar ist, das sind keine ausreichenden Argumente für ein Angehen solch eines Projektes.
Die Rechnerausstattung ist teilweise von PC zu PC verschieden, bei über 30 PCs kann man auch als technikfreundlicher Bibliothekar leicht den Überblick verlieren, wo was wie läuft und wann die neuesten Updates von Standard-Web-Anwendungen zu erwarten sind.
Aber die Arbeitszeit der IT-Abteilung ist zu wertvoll, um diese nur dem Benutzer dienenden Arbeiten auszuführen, da müssen Statistik relevante Arbeiten vorher erledigt werden.
Natürlich können nicht alle anstehenden Projekte gleichzeitig angegangen werden, aber das Übergewicht der Statistik relevanten Projekte fällt doch langsam auf. Vorallem wenn Manpower und Engagement vorhanden wäre, dann aber wegen Formalien gebremst und blockiert wird, dann ist das für einen Bibliotheksraben nur unverständlich!
Wenn am Schluss nur die Platzierung im BIX das alleinige Kriterium für die anzupackenden Projekte wird, dann kann sich der Benutzer bald warm anziehen!
Benutzerfreundlichkeit lässt sich nämlich immer noch in keiner Statistik nachweisen.

Krahkrah, nun schüttel ich geschwind die Feder
und warte auf Protestgezeter!

macht Internet doof? die Artikel

2 Artikel beschäftigen sich also im heutigen Spiegel mit dem Thema: Macht Internet doof?:

– Die Daten-Sucht
in dem die Frage gestellt wird, ob die Email-Fluten und die grenzenlosen Online-Informationen, sprich also der Kommunikationswahn im Netz verhaltensauffällige und nervöse Menschen hervorbringt, die zwar von immer mehr erfahren, dabei aber immer weniger wissen.

– Abschreiben 2.0
Neue Schummelmethoden für Schüler durch das Internet; eigentlich nichts Neues, darüber wurde auch schon früher (mindestens vor 1 Jahr) berichtet; nun wird der Fokus noch etwas auf Universitäre Arbeiten ausgeweitet und als Höhepunkt der Hypochonder, der sich seine eingebildetet Krankheiten nun nicht mehr aus den medizinischen Lexika zusammensucht, sonder via Google blitzschnell sämtliche Symptome samt ausführlicher Diagnose im Internet findet.
Wieso werde ich das Gefühl nicht los, das alles schon mal gelesen zu haben? Den Bericht über den Hypochonder habe ich auf jeden Fall vor Monaten schon einmal gelesen, auch das mit den Hausaufgaben.de-Seiten und Plagiariate durch Abschreiben aus dem Internet ist absolut nichts Neues. Das wurde doch schon oft im Zusammenhang mit Internet und Jugend durchgekaut.
Sololte da ein Sommerloch gestopft werden?

Macht Internet doof?

so fragt der Spiegel in seiner heutigen Ausgabe. Bemerkenswert?, dass das Titelbild in seiner Farbgebung des Wortes „doof“ so unheimlich an Google erinnert.

Vernetzt, verquatscht, verloren und als Voreinstellungen: Freunde (wohl ein Seitenhieb auf Facebook u.ä.) Sex und Irgendwas. Die üblichen Klischees eben; mit denen man die breite unkritische Masse über das Internet „aufklärt“

Vielleicht wird es bei den Artikeln besser…

PS: Die nächste Doppelseite zeigt bezeichnenderweise ein auf Idylle getrimmte Werbung von McDonalds. Zufall oder soll da ein Zusammenhang zwischen Informations-Junkie und Junk-Food sich freud’scherweise eingeschlichen haben?

Bibliotheken haben jede Menge Migrationshintergrund

Woher kommen wir, wohin gehen wir?

Solche Fragen treiben jeden um, und in
der Bibliothek findet man alle Arten von Antworten darauf.

Auf diese Frage hätte ich jetzt eher Philosophisches erwartet!!
Ich glaube nicht, dass sich Ayshe diese hochphilosophische Frage nach dem menschlichen Sein stellt, wenn sie sich die neueste türkische Pop-CD ausleiht.

Da hätte ich doch lieber eine andere Formulierung gewählt.

By the way, warum stellen ÖBs fremdsprachige Literatur getrennt von der deutschsprachigen Literatur auf? Wäre das nicht mal ein Zeichen von Integration, alle Bücher – in ihren Bereichen – nur nach Autoren oder Systematik aufstellen; ohne Rücksicht auf die Sprache. Der Nutzer, der über den Katalog kommt, hat ja im Katalog schon die Sprache gesehen; der Nutzer am Regal entdeckt mal was Neues (Oops, was ist denn das für eine Sprache? Verstehe ich da trotzdem was, kann man die Sprache lernen, wo stehen denn die Sprachkurse…..) Und wer sein muttersprachliches Buch inmitten der z.B. deutschsprachigen Bücher am Regal findet, schaut auch mal links und rechts und bekommt so vielleicht Lust, die neue Sprache auszuprobieren. Vielleicht steht idealerweise neben dem originalsprachlichen Buch die Übersetzung?